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Nematoden oder BTI?

Der große Ratgeber zur biologischen Bekämpfung von Trauermücken und anderen Bodenschädlingen

Biologischer Pflanzenschutz muss nicht kompliziert sein. Zwei besonders interessante Möglichkeiten zur Bekämpfung von Schadinsekten im Substrat sind entomopathogene Nematoden und Bacillus thuringiensis israelensis (BTI).

Beide Methoden können insbesondere gegen Trauermückenlarven eingesetzt werden. Trotzdem unterscheiden sie sich deutlich in Wirkungsweise, Anwendung, Wirkungsdauer und Einsatzgebiet.

1. Was sind Nematoden?

Nematoden sind mikroskopisch kleine Fadenwürmer, die natürlicherweise in Böden vorkommen. Für den biologischen Pflanzenschutz werden bestimmte Arten eingesetzt, die auf Insekten parasitieren.

Eine der wichtigsten Arten für den Pflanzenbau ist:

Steinernema feltiae

Sie wird besonders häufig gegen:

  • Trauermückenlarven

  • bestimmte Larvenstadien anderer Fliegen

  • Thrips-Puppen im Substrat

eingesetzt.

Wichtig: Nicht jeder Nematoden-Stamm ist für jeden Schädling geeignet. Die Auswahl muss immer zum Zielschädling passen.

2. Wie funktionieren Nematoden?

Die für den Pflanzenschutz eingesetzten Nematoden werden meist als sogenannte infektiöse Juvenilstadien ausgebracht.

Sie bewegen sich durch einen dünnen Wasserfilm im feuchten Substrat und suchen aktiv nach geeigneten Wirten.

Hat beispielsweise eine Steinernema-feltiae-Nematode eine Trauermückenlarve gefunden, dringt sie über natürliche Körperöffnungen in das Insekt ein.

Im Inneren des Wirts geben die Nematoden symbiotische Bakterien frei. Diese Bakterien vermehren sich und produzieren Stoffe, die den Wirt sehr schnell abtöten.

Anschließend können sich die Nematoden im toten Wirt weiterentwickeln und neue infektiöse Juvenilstadien hervorbringen.

Vereinfacht gesagt:

Nematoden suchen die Larve aktiv, dringen in sie ein und nutzen sie als Wirt.

Unter geeigneten Bedingungen kann der Tod des Schädlings innerhalb von ungefähr 1–3 Tagen eintreten.

3. Was ist BTI?

BTI steht für:

Bacillus thuringiensis subsp. israelensis

Dabei handelt es sich um ein Bakterium, das bestimmte für Insektenlarven toxische Proteine bildet.

BTI wird vor allem gegen bestimmte Dipterenlarven eingesetzt, also Larven aus der Ordnung der Zweiflügler.

Dazu gehören beispielsweise:

  • Trauermückenlarven

  • Stechmückenlarven

  • bestimmte andere Fliegenlarven

Bei Trauermücken wird BTI über das Substrat bzw. das Gießwasser ausgebracht.

Die Larve nimmt das BTI beim Fressen auf. Im Darm werden die entsprechenden Proteinstrukturen aktiviert und schädigen den Darm der Larve.

Die Larve hört auf zu fressen und stirbt.

Vereinfacht gesagt:

BTI muss von der Larve aufgenommen werden, während Nematoden die Larve aktiv aufsuchen und parasitieren.

BTI ist insbesondere gegen junge Trauermückenlarven wirksam.

4. Nematoden vs. BTI – der direkte Vergleich

EigenschaftNematodenBTI
BeispielSteinernema feltiaeBacillus thuringiensis israelensis
OrganismusFadenwurmBakterium
HauptzielVerschiedene InsektenlarvenVor allem bestimmte Zweiflüglerlarven
TrauermückenSehr gut geeignetSehr gut geeignet
ThripseS. feltiae kann Puppen im Substrat bekämpfenNicht die typische Anwendung
WirkungsweiseNematode dringt in den Wirt einLarve nimmt bakterielle Toxine auf
Aktive Suche nach WirtJaNein
Benötigt FeuchtigkeitJaAnwendung muss entsprechend Produktetikett erfolgen
UV-empfindlichJa, sehr starkAnders als lebende Nematoden
Austrocknung problematischJaWeniger entscheidend für die Anwendung
Wirkung auf adulte TrauermückenNeinNein
Wirkung auf EierNein bzw. kaumNein bzw. kaum
WiederholungenJe nach Befall sinnvollHäufig erforderlich
Breite des EinsatzesJe nach Nematodenart relativ breitZielorganismen stärker eingegrenzt
Lebender OrganismusJaJa
Einsatz im SubstratSehr gutSehr gut

5. Der entscheidende Unterschied bei Trauermücken

Bei Trauermücken sollte man sich zunächst bewusst machen, dass nicht die erwachsenen Tiere das Hauptproblem für die Wurzeln darstellen.

Das eigentliche Problem sind die Larven im Substrat.

Genau dort setzen sowohl Nematoden als auch BTI an.

Nematoden

Steinernema feltiae bewegt sich durch das feuchte Substrat und kann aktiv nach geeigneten Larven suchen.

Das macht Nematoden besonders interessant, wenn die Larven bereits im Wurzelbereich sitzen.

BTI

BTI funktioniert anders.

Die Larven müssen das entsprechende bakterielle Material aufnehmen. Besonders junge Larvenstadien reagieren empfindlich darauf.

Bei stärkerem Befall können deshalb wiederholte Anwendungen erforderlich sein.

6. Nematoden haben einen großen Vorteil: Sie können aktiv suchen

Das ist einer der interessantesten Unterschiede.

Eine BTI-Anwendung verteilt das bakterielle Mittel im entsprechenden Bereich. Die Larve muss es aufnehmen.

Nematoden hingegen sind lebende Organismen.

Sie können sich im feuchten Substrat bewegen und nach geeigneten Wirten suchen.

Das bedeutet jedoch nicht, dass Nematoden „jede Larve finden“.

Ihre Wirksamkeit hängt stark von folgenden Faktoren ab:

  • richtiger Nematodenart

  • Temperatur

  • ausreichender Feuchtigkeit

  • Substratstruktur

  • korrekter Dosierung

  • gleichmäßiger Verteilung

  • richtiger Anwendungstechnik

Nematoden reagieren außerdem empfindlich auf UV-Licht und Austrocknung.

7. Warum muss das Substrat feucht sein?

Nematoden können sich nicht einfach wie kleine Würmer durch trockenes Substrat bewegen.

Sie benötigen einen Wasserfilm, um sich fortzubewegen.

Deshalb sollte das Substrat bei einer Nematodenanwendung gleichmäßig feucht sein.

Nach der Ausbringung sollte darauf geachtet werden, dass die Nematoden nicht unmittelbar wieder austrocknen.

Die Landwirtschaftskammer Hessen empfiehlt bei Steinernema feltiae beispielsweise eine gleichmäßige Feuchtigkeit des Substrats nach der Anwendung.

8. Temperatur – ein wichtiger Faktor

Nematoden sind lebende Organismen und benötigen geeignete Umweltbedingungen.

Steinernema feltiae ist dabei relativ temperaturtolerant und kann auch bei vergleichsweise niedrigen Bodentemperaturen aktiv sein.

Cornell nennt für S. feltiae eine Aktivität bis ungefähr 10 °C; im praktischen Pflanzenbau sollte man sich jedoch immer nach den Bedingungen und Angaben des jeweiligen Produkts richten.

Je näher die Bedingungen am optimalen Bereich des jeweiligen Produkts liegen, desto zuverlässiger funktioniert die Anwendung.

9. Warum sollte man Nematoden eher abends anwenden?

Nematoden sind empfindlich gegenüber:

UV-Licht + Austrocknung

Deshalb sind Anwendungen am frühen Morgen oder am Abend besonders sinnvoll.

Bei einer Anwendung auf das Substrat gelangt der größte Teil der Nematoden anschließend in den geschützten Bereich.

Bei Thripsen kann die Anwendung etwas anspruchsvoller sein, weil S. feltiae dort insbesondere die im Substrat befindlichen Puppenstadien erreicht.

10. Was können Nematoden und BTI NICHT?

Das ist für einen erfolgreichen Pflanzenschutz besonders wichtig.

Gegen adulte Trauermücken

Weder Nematoden im Substrat noch BTI sind eine sinnvolle Methode, um erwachsene Trauermücken direkt zu bekämpfen.

Hier sollte zusätzlich die Population der erwachsenen Tiere reduziert werden.

Zum Beispiel können Gelbtafeln beim Monitoring und beim Abfangen erwachsener Tiere helfen.

Gegen Eier

Eier sind wesentlich schwieriger zu erreichen.

Deshalb muss eine biologische Bekämpfung häufig über mehrere Generationen bzw. wiederholte Anwendungen aufgebaut werden.

Gegen jeden Schädling

Hier gibt es einen entscheidenden Unterschied.

BTI ist relativ spezialisiert.

Nematoden gibt es dagegen in verschiedenen Arten und Stämmen, die auf unterschiedliche Schädlinge spezialisiert sein können.

Beispiele:

Steinernema feltiae
→ insbesondere Trauermückenlarven und bestimmte Thripsstadien im Substrat

Steinernema carpocapsae
→ andere Boden- bzw. oberflächennahe Insektenlarven

Heterorhabditis-Arten
→ je nach Art und Produkt ebenfalls gegen verschiedene Bodenschädlinge

Deshalb sollte man nicht einfach „Nematoden“ kaufen, sondern immer prüfen:

Welche Nematodenart + welcher Zielschädling?

11. Wann würde ich Nematoden bevorzugen?

Nematoden sind besonders interessant, wenn:

  • Trauermückenlarven im Substrat vorhanden sind

  • zusätzlich Thrips-Puppen im Substrat bekämpft werden sollen

  • ein lebender biologischer Gegenspieler eingesetzt werden soll

  • vorbeugend gearbeitet werden soll

  • das Substrat ausreichend feucht gehalten werden kann

  • möglichst wenig Einfluss auf andere Organismen gewünscht ist

S. feltiae wird von verschiedenen Fachstellen ausdrücklich für Trauermückenlarven empfohlen.

12. Wann ist BTI interessant?

BTI ist besonders interessant, wenn das Hauptproblem:

Trauermückenlarven

sind.

Ein Vorteil besteht darin, dass die Anwendung relativ einfach über das Gießwasser erfolgen kann – sofern das verwendete Produkt dafür zugelassen und entsprechend gekennzeichnet ist.

BTI kann besonders bei einem bereits bestehenden Trauermückenproblem interessant sein.

Allerdings sind häufig Wiederholungsanwendungen notwendig, weil nicht alle Entwicklungsstadien gleichermaßen betroffen sind und die Wirksamkeit zeitlich begrenzt sein kann. Eine UConn-Empfehlung beschreibt beispielsweise eine besonders gute Wirkung gegen junge Trauermückenlarven und weist auf den Bedarf wiederholter Anwendungen hin.

13. Können Nematoden und BTI kombiniert werden?

Grundsätzlich können biologische Maßnahmen Teil eines integrierten Pflanzenschutzkonzepts sein.

Bei der Kombination verschiedener Mittel muss allerdings immer geprüft werden, ob das konkrete Produkt bzw. dessen Formulierung mit den Nematoden kompatibel ist.

Nicht jedes Pflanzenschutzmittel, Düngemittel oder Additiv ist automatisch mit lebenden Nematoden kompatibel.

Cornell weist ausdrücklich darauf hin, dass die Verträglichkeit von S. feltiae je nach Wirkstoff, Formulierung und Konzentration einzeln bewertet werden sollte.

Daher gilt:

Nicht einfach alles gleichzeitig in denselben Tank mischen.

14. Ein sinnvoller Ansatz gegen Trauermücken

Ein erfolgreicher biologischer Ansatz besteht nicht nur daraus, irgendein Mittel gegen die Larven zu verwenden.

Viel wichtiger ist die Kombination mehrerer Maßnahmen.

1. Ursache reduzieren

Trauermücken profitieren von dauerhaft sehr feuchten Bedingungen und organischem Material.

Deshalb:

  • unnötige Staunässe vermeiden

  • Substrat nicht dauerhaft übermäßig nass halten

  • stehendes Wasser vermeiden

  • Algenbildung möglichst reduzieren

  • organische Ablagerungen entfernen

Eine gute Kulturführung ist ein wichtiger Bestandteil der Trauermückenbekämpfung.

2. Erwachsene Tiere überwachen

Gelbtafeln können helfen, den Befall zu erkennen und erwachsene Tiere zu reduzieren.

3. Larven bekämpfen

Hier kommen beispielsweise:

Steinernema feltiae

oder

BTI

ins Spiel.

4. Wiederholung und Kontrolle

Nach der Behandlung sollte kontrolliert werden, ob weiterhin Larven vorhanden sind.

Bei starkem Befall reicht eine einmalige Behandlung häufig nicht aus.

15. Nematoden oder BTI – was ist besser?

Die Frage lässt sich nicht pauschal beantworten.

Es hängt davon ab, welcher Schädling bekämpft werden soll.

Nur Trauermücken?

Beide können sinnvoll sein.

BTI ist eine gezielte biologische Option gegen Trauermückenlarven.

Steinernema feltiae ist ebenfalls sehr gut gegen Trauermückenlarven geeignet und bietet zusätzlich die Möglichkeit, bestimmte andere Bodenstadien wie Thrips-Puppen zu erfassen.

Trauermücken + Thripse?

Hier können Nematoden einen deutlichen Vorteil haben, weil S. feltiae auch gegen bestimmte Thripsstadien im Substrat eingesetzt wird.

Vorbeugende biologische Schädlingskontrolle?

Hier sind Nematoden interessant, insbesondere wenn regelmäßig mit passenden Bedingungen gearbeitet wird.

16. Die wichtigsten Fehler bei Nematoden

❌ Zu trockenes Substrat

Die Nematoden können sich nicht ausreichend bewegen.

❌ Anwendung in direktem Sonnenlicht

UV-Licht kann die Nematoden schädigen.

❌ Zu lange Lagerung

Nematoden sind lebende Organismen. Lagerung und Haltbarkeit müssen unbedingt nach Herstellerangaben erfolgen.

❌ Falsche Nematodenart

Nicht jeder Nematode bekämpft jeden Schädling.

❌ Filter/Siebe in der Bewässerung

Sehr feine Filter können die Nematoden zurückhalten bzw. die Anwendung beeinträchtigen. Die konkrete Technik sollte deshalb vor der Anwendung geprüft werden.

❌ Nur einmal behandeln und sofort Erfolg erwarten

Biologische Schädlingsbekämpfung funktioniert häufig am besten als System und nicht als einmalige Notfallmaßnahme.

17. Die wichtigsten Fehler bei BTI

❌ Falsches Bacillus-Präparat verwenden

Bacillus thuringiensis ist nicht gleich BTI.

Es gibt verschiedene Unterarten und Stämme mit unterschiedlichen Zielorganismen.

Ein BT-Präparat gegen Raupen ist beispielsweise nicht automatisch gegen Trauermücken geeignet.

❌ Nur die erwachsenen Trauermücken bekämpfen

BTI wirkt gegen geeignete Larvenstadien – nicht gegen die erwachsenen Tiere.

❌ Keine Wiederholung

Je nach Produkt und Befallsdruck können wiederholte Anwendungen notwendig sein.

18. Kurzfassung

Wenn man die beiden Methoden auf einen einfachen Vergleich reduzieren möchte:

🪱 Nematoden

Lebende biologische Helfer

Sie suchen ihre Wirte aktiv im Substrat und parasitieren geeignete Insektenlarven.

Besonders interessant für:
Trauermückenlarven, bestimmte Thrips-Puppen und – je nach Nematodenart – weitere Bodenschädlinge.

Stärken:

  • aktive Wirtssuche

  • breiteres Einsatzspektrum je nach Art

  • sehr gut für das Substrat

  • können verschiedene Zielschädlinge erfassen

Schwächen:

  • empfindlich gegenüber UV-Licht

  • benötigen Feuchtigkeit

  • Temperatur und Anwendung müssen passen

  • richtige Nematodenart entscheidend

🦠 BTI

Biologisches Bakterium

Die Larve muss das bakterielle Material aufnehmen. Im Verdauungstrakt wirken die entsprechenden Toxine.

Besonders interessant für:
Trauermücken- und bestimmte andere Dipterenlarven.

Stärken:

  • gezielte Wirkung

  • einfache Anwendung je nach zugelassenem Produkt

  • sehr interessant bei Trauermücken

Schwächen:

  • deutlich stärker auf bestimmte Zielorganismen spezialisiert

  • nicht gegen erwachsene Trauermücken

  • nicht gegen alle Entwicklungsstadien

  • häufig Wiederholungen erforderlich

19. Nematoden und BTI im Living Soil

Living Soil funktioniert anders als ein rein mineralisch gedüngtes Substrat. Das Ziel ist ein aktives Bodenökosystem, in dem Mikroorganismen, Pilze, Bodenorganismen und organische Bestandteile zusammenarbeiten.

Deshalb sollte biologischer Pflanzenschutz im Living Soil möglichst so eingesetzt werden, dass das vorhandene Bodenleben möglichst wenig beeinträchtigt wird.

Sowohl Nematoden als auch BTI können dabei interessante Werkzeuge sein.

🪱 Beispiel 1: Steinernema feltiae bei Trauermücken im Living Soil

Ein typisches Szenario:

Die Pflanzen stehen in einem Living-Soil-Substrat mit Kompost, Humus und weiteren organischen Bestandteilen. Durch die hohe biologische Aktivität und den organischen Anteil können sich bei ungünstiger Feuchtigkeit Trauermücken vermehren.

Die erwachsenen Tiere sind zwar lästig, das eigentliche Problem sitzt aber im Substrat:

Die Trauermückenlarven befinden sich direkt im Wurzelbereich.

Hier kann Steinernema feltiae eingesetzt werden.

Die Nematoden werden mit Wasser ausgebracht und gelangen in den feuchten Boden.

Dort bewegen sie sich zwischen den Substratpartikeln und können Trauermückenlarven aktiv aufsuchen.

Warum ist das für Living Soil interessant?

Die Nematoden sind selbst Bestandteil der biologischen Bodenfauna und werden nicht als klassisches chemisches Insektizid eingesetzt.

Das macht sie besonders interessant für Systeme, bei denen der natürliche Charakter des Bodenökosystems erhalten bleiben soll.

20. Beispiel 2: Living Soil + Nematoden vorbeugend einsetzen

Nematoden müssen nicht zwingend erst eingesetzt werden, wenn bereits ein massiver Befall vorhanden ist.

Bei einem bekannten Risiko für Trauermücken kann eine biologische Strategie auch frühzeitig ansetzen.

Beispielsweise:

Living Soil → regelmäßiges Monitoring → frühzeitige Nematodenanwendung bei ersten Anzeichen

Dadurch versucht man, die Entwicklung einer großen Larvenpopulation bereits früh zu verhindern.

Wichtig ist dabei, nicht einfach dauerhaft Nematoden einzusetzen, ohne einen Grund dafür zu haben.

Sinnvoller ist:

Monitoring → Befall erkennen → gezielt reagieren → Erfolg kontrollieren.

21. Beispiel 3: BTI im Living Soil

Auch BTI kann bei Trauermücken im Living Soil interessant sein.

Hier ist die Wirkungsweise jedoch eine andere.

Das BTI-Präparat wird entsprechend der Produktanleitung mit dem Gießwasser ausgebracht.

Die Trauermückenlarven nehmen das BTI beim Fressen auf.

Dadurch werden die Larven geschädigt und sterben ab.

Besonderheit im Living Soil

BTI ist wesentlich spezifischer auf bestimmte Insektenlarven ausgerichtet als ein breit wirkendes Pflanzenschutzmittel.

Das ist gerade bei einem biologisch aktiven Substrat interessant.

Allerdings sollte man trotzdem nicht automatisch davon ausgehen, dass jedes BTI-Produkt vollkommen neutral gegenüber sämtlichen Bodenorganismen ist.

Bei Living Soil sollte deshalb immer das konkrete Produkt und dessen Zulassung bzw. Anwendungsempfehlung berücksichtigt werden.

22. Beispiel 4: Living Soil + Nematoden + Gelbtafeln

Eine besonders sinnvolle Strategie gegen Trauermücken besteht darin, mehrere Maßnahmen miteinander zu kombinieren.

Maßnahme 1 – Gelbtafeln

Sie zeigen, ob und wie stark erwachsene Trauermücken vorhanden sind.

Maßnahme 2 – Nematoden

Steinernema feltiae bekämpft die Larven im Substrat.

Maßnahme 3 – Kulturführung

Die Feuchtigkeit des Substrats wird kontrolliert und unnötige Staunässe vermieden.

So wird nicht nur das aktuelle Problem bekämpft, sondern gleichzeitig der Lebensraum für die nächste Generation unattraktiver gemacht.

23. Beispiel 5: Living Soil + BTI als gezielte Maßnahme

Ein anderes Szenario:

Ein Living-Soil-Grow läuft grundsätzlich problemlos, aber plötzlich werden auf den Gelbtafeln deutlich mehr Trauermücken festgestellt.

Bei einer Kontrolle des Substrats werden Larven gefunden.

Hier kann BTI – sofern das konkrete Produkt für diesen Zweck zugelassen und entsprechend gekennzeichnet ist – eine gezielte Möglichkeit sein, die Larvenpopulation zu reduzieren.

Nach der Anwendung sollte das Monitoring weiterlaufen.

Denn:

Keine erwachsenen Trauermücken auf der Gelbtafel = gutes Zeichen

aber

keine erwachsenen Trauermücken = nicht automatisch keine Larven im Substrat.

24. Living Soil ist ein Ökosystem – nicht nur „Erde“

Das ist einer der wichtigsten Punkte.

Ein gutes Living Soil besteht aus wesentlich mehr als aus Pflanzenerde.

Darin befinden sich unter anderem:

  • Bakterien

  • Pilze

  • Protozoen

  • Nematoden

  • Springschwänze

  • Milben

  • Würmer

  • organisches Material

  • Mineralien

  • Wurzelexsudate

Nicht alle Nematoden sind übrigens Schädlinge.

Im Gegenteil:

Die meisten Nematoden im Boden sind keine Pflanzenschädlinge.

Entomopathogene Nematoden wie Steinernema feltiae sind eine spezielle Gruppe, die gezielt zur biologischen Bekämpfung von Insekten eingesetzt wird.

Das bedeutet:

„Nematoden“ sind nicht automatisch schlecht für Living Soil.

Es kommt darauf an, welche Nematodenart vorhanden bzw. ausgebracht wird.

25. Interessanter Punkt: Nematoden sind selbst Teil des Boden-Nahrungsnetzes

Das macht den Einsatz im Living Soil besonders interessant.

Entomopathogene Nematoden sind keine klassischen chemischen Wirkstoffe, sondern lebende Organismen.

Nach der erfolgreichen Bekämpfung eines Wirts können sich die Nematoden unter geeigneten Bedingungen weiterentwickeln. Gleichzeitig sind Nematoden wiederum Bestandteil des komplexen Boden-Nahrungsnetzes.

Das bedeutet jedoch nicht, dass eine einmalige Anwendung eine dauerhafte Population garantiert.

Temperatur, Feuchtigkeit, UV-Licht, Bodenstruktur und das Vorhandensein geeigneter Wirte beeinflussen ihre Überlebensfähigkeit stark.

26. Was passiert mit den Nematoden nach der Anwendung?

Das ist eine häufige Frage im Living Soil.

Nach der Ausbringung suchen die Nematoden nach geeigneten Wirten.

Wenn geeignete Insektenlarven vorhanden sind, können sie diese infizieren.

Wenn keine geeigneten Wirte mehr vorhanden sind, nimmt ihre Population in der Regel wieder ab.

Sie werden also nicht einfach zu einer dauerhaft wachsenden „Nematodenplage“.

Die tatsächliche Persistenz hängt allerdings stark von der Nematodenart und den Umweltbedingungen ab.

27. Kann man Nematoden dauerhaft im Living Soil halten?

Das sollte man nicht als Ziel betrachten.

Nematoden sind in erster Linie ein biologisches Werkzeug zur Schädlingskontrolle.

Das Ziel ist nicht:

„So viele Nematoden wie möglich im Boden.“

Sondern:

„Eine ausreichende Population zur Kontrolle des Zielschädlings herstellen.“

Ist der Zielschädling verschwunden, verändern sich auch die Bedingungen für die Nematoden.

28. Living Soil: Wann welches Werkzeug?

SituationSinnvolle Maßnahme
Einzelne Trauermücken entdecktMonitoring + Kulturführung
Erste Larven gefundenNematoden oder geeignetes BTI
Stärkerer TrauermückenbefallKonsequente Larvenbekämpfung + Monitoring
Trauermücken + Thrips-Puppen im SubstratS. feltiae besonders interessant
Sehr feuchtes SubstratBewässerungsstrategie überprüfen
Viele erwachsene TrauermückenGelbtafeln + Larvenbekämpfung
Wiederkehrender BefallUrsache und Kulturbedingungen untersuchen
Aktives Living SoilBiologische Maßnahmen gezielt und möglichst schonend einsetzen

29. Beispiel für ein ganzheitliches Living-Soil-Konzept

Ein möglicher Ansatz könnte so aussehen:

Schritt 1 – Beobachten

Gelbtafeln zur Kontrolle der erwachsenen Trauermücken einsetzen.

Schritt 2 – Ursache prüfen

Warum können sich die Trauermücken vermehren?

Zu viel Feuchtigkeit?

Staunässe?

Sehr feuchte Oberfläche?

Schritt 3 – Larven kontrollieren

Bei nachgewiesenem Befall beispielsweise geeignete Steinernema feltiae oder ein für den Zweck zugelassenes BTI-Präparat einsetzen.

Schritt 4 – Bodenökosystem erhalten

Nicht unnötig mit breit wirkenden Maßnahmen in das Bodenleben eingreifen.

Schritt 5 – Kontrolle

Gelbtafeln und Substrat weiterhin kontrollieren.

Schritt 6 – Bei Bedarf wiederholen

Je nach Befallsentwicklung und Produktvorgaben die biologische Behandlung wiederholen.

30. Nematoden vs. BTI im Living Soil – mein Fazit

Für Living Soil sind beide Methoden interessant, aber aus unterschiedlichen Gründen.

🪱 Nematoden

Besonders interessant, wenn man:

  • einen lebenden biologischen Gegenspieler einsetzen möchte

  • Trauermückenlarven im Substrat bekämpfen möchte

  • zusätzlich bestimmte Thripsstadien im Substrat erfassen möchte

  • möglichst gezielt im Wurzelbereich arbeiten möchte

🦠 BTI

Besonders interessant, wenn man:

  • gezielt Trauermückenlarven bekämpfen möchte

  • eine einfach anzuwendende biologische Methode sucht

  • den Befall über das Gießwasser behandeln möchte, sofern das konkrete Produkt dafür vorgesehen ist

Die wichtigste Erkenntnis für Living Soil

Living Soil bedeutet nicht, dass man überhaupt keine biologischen Pflanzenschutzmittel einsetzen darf.

Im Gegenteil:

Biologische Gegenspieler können sehr gut in ein integriertes Konzept passen.

Entscheidend ist, gezielt statt pauschal vorzugehen.

Ein gutes Living-Soil-System sollte deshalb nicht nach dem Prinzip funktionieren:

„Bei jedem Problem sofort irgendetwas ins Gießwasser.“

Sondern:

Beobachten → Ursache verstehen → richtigen Gegenspieler auswählen → gezielt anwenden → Wirkung kontrollieren.

So bleibt der Fokus auf einem stabilen, biologisch aktiven Bodenökosystem, während Schädlinge gezielt kontrolliert werden.

Fazit

Für einen professionellen biologischen Pflanzenschutz sind Nematoden und BTI keine direkten Konkurrenten – sie sind unterschiedliche Werkzeuge.

Bei einem reinen Trauermückenproblem können beide funktionieren.

Wenn zusätzlich Thripse bzw. deren Puppen im Substrat eine Rolle spielen, kann Steinernema feltiae besonders interessant sein.

Der entscheidende Gedanke ist:

BTI ist ein gezielt wirkendes bakterielles Mittel, während entomopathogene Nematoden lebende Gegenspieler sind, die ihre Wirte aktiv im Substrat aufsuchen.

Für einen nachhaltigen Ansatz sollte man außerdem nicht nur die Larven bekämpfen. Feuchtigkeitsmanagement, Monitoring der erwachsenen Tiere und eine konsequente Kulturhygiene sind genauso wichtig.

Bei der praktischen Anwendung sind immer die Angaben des jeweiligen zugelassenen Produkts sowie die in Deutschland geltenden pflanzenschutzrechtlichen Vorgaben zu beachten.